
- Ein Kartenkompass besteht aus Grundplatte, Drehring, Magnetnadel und Marschrichtungspfeil.
- Die Karte muss zuerst nach Norden ausgerichtet werden (Karte einnorden).
- Die Marschzahl wird durch Auflegen des Kompasses auf die Karte bestimmt.
- Zur Positionsbestimmung dient die Kreuzpeilung mit drei Geländepunkten.
- Häufige Fehler: Karte nicht eingenordet, Deklination ignoriert, Metall in der Nähe.
Die Grundlagen verstehen – Was ist ein Kartenkompass?
Ein Kartenkompass ist mehr als nur eine Nadel, die nach Norden zeigt. Er besteht aus einer durchsichtigen Grundplatte, einem drehbaren Ring (Lünette), einer Magnetnadel und einem Marschrichtungspfeil. Die Grundplatte hat oft eine Skala und Linien, die das Arbeiten mit der Karte erleichtern. Ohne eine topografische Karte – etwa die IGN-Karten im Maßstab 1:25.000 – ist der Kompass jedoch nutzlos. Die Karte liefert den räumlichen Kontext, den der Kompass nicht ersetzen kann.
Die Karte nach Norden ausrichten (Karte einnorden)
Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einer Wanderung im Schwarzwald und Ihre Karte ist nicht ausgerichtet. Dann stimmt die Richtung nicht. So geht es richtig:
- Legen Sie die Karte flach auf den Boden.
- Platzieren Sie den Kompass so auf der Karte, dass seine Längskante parallel zu einer Nord-Süd-Gitterlinie verläuft.
- Drehen Sie die Lünette, bis der Nordpfeil auf der Lünette nach Norden zeigt (meist zum Kartenrand hin).
- Drehen Sie nun Karte und Kompass gemeinsam, bis die rote Magnetnadel genau im Nordpfeil der Lünette liegt.
In Frankreich beträgt die Missweisung (Deklination) nur etwa 0–2° Ost – für Wanderungen meist vernachlässigbar. Ich rate dennoch, sie bei Bedarf zu korrigieren.
Die Marschrichtung bestimmen (Ziel anpeilen)
Sie möchten von Punkt A zu Punkt B auf der Karte? Legen Sie die Längskante des Kompasses genau auf diese Verbindungslinie. Drehen Sie dann die Lünette, bis die Nordlinien im Kompass parallel zu den Gitterlinien der Karte sind. Lesen Sie die Gradzahl am Index ab – das ist Ihre Marschzahl. Halten Sie den Kompass waagerecht und drehen Sie sich, bis die Nadel im Nordpfeil liegt. Der Marschrichtungspfeil zeigt nun genau zum Ziel.
Ein Beispiel: Bei einer Wanderung im Nationalpark Écrins nutzte ich diese Methode, um bei Nebel den Weg zurück zur Hütte zu finden. Die Marschzahl war 235° – und ich kam exakt an.
Im Gelände navigieren (Zielverfolgung)
Peilen Sie einen fernen Punkt an – etwa einen markanten Baum oder einen Berggipfel – und gehen Sie darauf zu. Kontrollieren Sie regelmäßig die Richtung, denn schon kleine Abweichungen summieren sich. Ich empfehle, alle 100 bis 200 Meter nachzupeilen. Vermeiden Sie die sogenannte Zielwanderung, bei der man unbewusst vom Kurs abkommt.
Bevor man den Kompass einsetzt, ist es ratsam, die Checkliste zum topografische Karten lesen lernen für Einsteiger zu konsultieren, um die Karte optimal vorzubereiten.
Die eigene Position bestimmen (Kreuzpeilung)
Wenn Sie sich verlaufen haben, hilft die Kreuzpeilung. Suchen Sie drei sichtbare Geländepunkte – zum Beispiel einen Kirchturm, eine Bergspitze und eine Wegkreuzung. Peilen Sie jeden Punkt an: Richten Sie den Kompass auf den Punkt, drehen Sie die Lünette, bis die Nadel im Nordpfeil liegt, und notieren Sie die Gradzahl. Zeichnen Sie auf der Karte von jedem Punkt aus eine Linie in die entgegengesetzte Richtung (rückwärtige Peilung). Der Schnittpunkt der drei Linien ist Ihr Standort. In flachem Gelände wie der Camargue ist das schwieriger – dann orientieren Sie sich besser an Wegen.
Die 5 häufigsten Fehler beim Kartenkompass – und wie Sie sie vermeiden
- Fehler: Karte nicht einnorden – Folge: Sie laufen in die falsche Richtung. Lösung: Karte immer vor dem Losgehen ausrichten.
- Fehler: Deklination ignorieren – Folge: In Gebieten mit großer Missweisung (z. B. Nordamerika) große Abweichung. Lösung: In Frankreich meist vernachlässigbar, aber bei Reisen ins Ausland prüfen.
- Fehler: Metall oder Elektronik in der Nähe – Folge: Nadel zeigt falsch. Lösung: Kompass mindestens 50 cm von Handy, Gürtelschnalle oder Messer entfernt halten.
- Fehler: Marschzahl falsch ablesen – Folge: Ziel verfehlt. Lösung: Immer den richtigen Index (meist Dreieck oder Punkt) verwenden.
- Fehler: Nur auf Kompass vertrauen – Folge: Ohne Karte ist der Kompass nutzlos. Lösung: Immer Karte und Kompass zusammen nutzen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich jeden Kompass für die Kartenarbeit nutzen?
Nein. Nur ein Kartenkompass mit durchsichtiger Grundplatte und Drehring eignet sich für topografische Karten. Ein einfacher Marschkompass ohne Grundplatte ist ungeeignet.
Wie genau ist ein Kartenkompass?
Bei sorgfältiger Arbeit auf etwa 1–3° genau. Das reicht für Wanderungen völlig aus. In Frankreich mit geringer Missweisung ist die Genauigkeit besonders hoch.
Die präzise Nutzung eines Kartenkompasses erfordert ein grundlegendes Verständnis von topografischen Karten und Maßstäben, um die Karte korrekt zu interpretieren.
Muss ich die Deklination in Frankreich beachten?
In der Regel nein, da sie nur 0–2° Ost beträgt. Für präzise Navigation (z. B. bei Orientierungsläufen) kann man sie korrigieren, aber für Wanderungen ist das vernachlässigbar.
Wo kann ich in Frankreich topografische Karten kaufen?
Beim IGN (Institut Géographique National) – online oder in Buchhandlungen. Die Karten im Maßstab 1:25.000 („Série Bleue“) sind ideal für Wanderungen.
Nachdem die Grundlagen des Kartenkompasses verstanden wurden, kann man sich der erweiterten Anleitung zum Kompass mit topografischer Karte benutzen widmen.
Was mache ich, wenn ich mich verlaufen habe?
Ruhe bewahren. Karte einnorden, zwei markante Punkte suchen, Kreuzpeilung durchführen. Dann neuen Kurs planen.
Warum ein Kartenkompass auch heute unverzichtbar ist
In einer Welt voller GPS-Geräte und Smartphones mag der Kartenkompass altmodisch wirken. Doch ich habe erlebt, wie schnell Technik versagt – leere Akkus, fehlender Empfang. Ein Kartenkompass ist unabhängig und zuverlässig. Besonders in den Alpen, den Pyrenäen oder im Zentralmassiv kann er lebensrettend sein. Trainieren Sie zu Hause, bevor Sie sich ins Gelände wagen. Übung macht den Meister.
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